Seit Ton Matton von der niederländischen Suburbia Wohnungspolitik
genug hatte, ist die ehemalige DDR-Grundschule in Wendorf Basis von matton.
Zwischen Hamburg und Berlin (nähe Schwerin) hält Ton Matton in kleindörflicher
Struktur ein großes Areal aus Gästeateliers, Workshop, Tieren und
Pflanzenanbau vor. Mit dem hypermodernen Leben zwischen städtischer Attitüde
und holzbefeuerter Heizung sucht Matton nach Verbindungen von traditionellem
ländlichen Leben mit zeitgenössischem Lifestyle. „The fact,
that I live in Wendorf doesn`t mean that I can`t be reached. I live in Central
Europe. I have a satellite Internet, a Lada Niva four-wheel drive, and a mobile
phone, like everyone else in the Global Village.” (A10 Magazine, Wonderland
2006)
Von Wendorf aus versucht Ton Matton mit wechselnden Gästen den kleinen
Utopien und Störmomenten der Alltäglichkeit nachzugehen. matton
versteht Natur als Objekt zur ästhetischen Vermittlung von Krisenlagen
der Gesellschaft.
Die Konstellationen für eine Projektzusammenarbeit von matton ändern
sich ständig, jedoch in Wiederholung mit NL Architects, One Architecture
(Amsterdam), Atelier van Lieshout, MVRDV, Crimson, Rem Koolhaas /OMA (Rotterdam),
feld72 (Wien), dem Landwirtschaftsministerium und dem Think Tank Alterra
an der Universität Wageningen.
Nach seinem Stadtplanungsstudium an der TU Delft (1991) gründete er zunächst in Rotterdam das Büro Schie 2.0; auf der Suche nach Umsetzungen autarker Architekturmomente. Schie 2.0 gehörte zur niederländischen Gestalterbewegung der 1990er Jahre, welche an der „Amnestie für die gebaute Realität“ arbeiteten, und sich nachdrücklich mit der Problematik von Planung und Raumordnung experimentell auseinandersetzten. Am stärksten sind die Projekte, in denen Schie 2.0 durch eine andere Darstellung einer Situation die Wahrnehmung so drastisch veränderte, daß man de facto von einem Entwurf sprechen musste.
Ton Mattons Arbeitsfeld spannt sich bis heute irgendwo zwischen Objektdesign, Gesellschaftsgestaltung, ökologischer Stadtplanung und künstlerischem Aktionismus auf. Nach dem Betrieb des „Free Range Office“, einem mobilen, sich selbst versorgenden Bürobauwagen, welcher sich durch Rotterdam bewegte, eröffnete er 2001 mit seiner Frau, der Schriftstellerin Ellie Smolenaars, die Werkstatt Wendorf - in Mecklenburg-Vorpommern.
Für die gedankliche Strukturbildung bei
matton ist Martin Luce (*1977) verantwortlich. Er erhielt sein
Architekturdiplom mit Auszeichnung Ende 2005 an der Hochschule für bildende
Künste Hamburg. Auch studierte er Konzeptuelle Kunst an der Akademie der
bildenden Künste Wien und agitierte 2005 an der Tongji University
Shanghai. Demnächst erscheint in zweiter Auflage sein Buch „Federball Propaganda“
- eine Shanghai-Kartierung. Während des Studiums war er Stipendiat in der Begabtenförderung
der Stiftung der Deutschen Wirtschaft.
Martin Luce ist Redakteur der theorieorientierten Zeitschrift archplus in der Redaktionsgruppe Berlin.